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Eine sagenhafte Nacht im Spreewälder Mondschein / Spreewaldnews
Eine sagenhafte Nacht im Spreewälder Mondschein - 13.05.2008 - 11.43 Uhr User: Annex
Irrlichter kreisen im Mondschein um den Schlangenkönig. Dämonen, Erdgeister und Hausgötter schweifen durch die laue Frühlingsnacht. Umgeben von grünen Wiesen, gefährlichen Sümpfen und weitläufigen Flussarmen haben sich in der Niederlausitz über viele Jahrhunderte slawische Mythen erhalten.

Burg (ddp-lbg). Irrlichter kreisen im Mondschein um den Schlangenkönig. Dämonen, Erdgeister und Hausgötter schweifen durch die laue Frühlingsnacht. Umgeben von grünen Wiesen, gefährlichen Sümpfen und weitläufigen Flussarmen haben sich in der Niederlausitz über viele Jahrhunderte slawische Mythen erhalten. Bei der «Spreewälder Sagennacht» in Burg (Spree-Neiße) sind am Pfingstwochenende alte Traditionen und der Glaube der Sorben wieder lebendig geworden.

Mit Spiel, Musik und Tanz entführten mehr als 150 Darsteller unter Federführung des Staatstheaters Cottbus die Besucher in eine sagenhafte Welt. In drei aufeinander folgenden Nächten wurden auf dem historischen Schlossberg rund um den Bismarckturm mystische Gestalten, Lieder, Bräuche und Traditionen dargestellt. Vor einer zauberhaften Naturkulisse verfolgten rund 7000 Besucher die von Regisseur Hauke Tesch inszenierte Open-Air-Aufführung.

Der Glaube an alte Hausgötter, Dämonen und Helden ist in Südbrandenburg heute noch weit verbreitet. Im Spreewald ist eine besonders große Vielfalt an Sagenfiguren erhalten geblieben. Im Mittelpunkt der Mythologie steht die Legende um den Wendenkönig und sein Volk. Serbsky kral soll nach alten Überlieferungen der Ermordung aller Wendenfürsten durch Markgraf Gero entgangen sein und als einziger wendischer Fürst weiter in der Umgebung von Burg geherrscht haben.

Seit dem 8. Jahrhundert wurden die slawischen Siedlungsgebiete durch die Ostfranken und später durch die Deutschen erobert. Alte Götterbilder wurden dabei zerstört und die Bevölkerung christianisiert. Nach Angaben der Stiftung für das sorbische Volk gibt es heute noch rund 60 000 Sorben und Wenden. Mythologie und Sagenfiguren spielen in deren Siedlungsgebiet eine große Rolle.

Der Schlangenkönig (wuowy kral) ist eine der beliebtesten Gestalten. Schlangen sind im Spreewald Schutz- oder Hausgötter. An vielen Häusern schmücken sie deshalb noch heute Giebel. Der Wassermann (wodny mu) ist dagegen launisch. Mal hilft er armen Fischern, mal lässt er Hochwasser entstehen. Lutki sind ganz kleine Erdbewohner, die bei den Leuten Haushaltsgeräte ausborgen und sich dafür mit Brot und Kuchen bedanken. In ihrer Sprache verneinen sie alles.

Gern gesehen sind die Irrlichter (budnik). Die Leuchterscheinungen im Sumpf führen die Leute nachts nach Hause. Die Mittagsfrau (pezponica) wird heute ebenfalls noch stark geachtet. Denn sie erscheint mittags auf dem Feld und passt auf, dass die Arbeiter zwischen 12.00 und 13.00 Uhr eine Pause einlegen. Wen sie bei der Arbeit antrifft, den tötet sie.

Groß und Klein wurden bei der dritten Spreewälder Sagennacht von der Fantasie- und Farbenvielfalt der verschiedenen Sagenfiguren und Erzählungen in ihren Bann gezogen. Krönung war das abschließende Höhenfeuerwerk. Der Spreewald ist ein rund 47 500 Hektar großes Feuchtgebiet und befindet sich etwa 70 Kilometer südöstlich von Berlin. In dem in Europa einmaligen Wald- und Wassergebiet sind rund 18 000 Pflanzen- und Tierarten heimisch, darunter viele vom Aussterben bedrohte. Das Biosphärenreservat mit seinen mehr als 300 einzelnen Flussläufen steht seit 1990 unter dem Schutz der UNESCO.


 
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